Homöopathie
Vor dem Arzt sitzt – überspitzt gesagt – „eine Migräne“, „eine Angina pectoris“, „eine chronische Verstopfung“. Gegen diese Krankheiten werden immer neue Therapien erforscht und angewandt, mitunter auch erwartungsgemäß immer nebenwirkungsärmer. Das scheint erfolgreich zu sein, denn die Symptome verschwinden oft. Daran misst sich der Erfolg einer Therapie. Die Frage bleibt nur: Ist auch die Krankheit im Inneren verschwunden oder sind nur die Symptome weg? Da die Diagnose in der Allopathie, also der Schulmedizin, im Vordergrund steht, die Leitliniengemäß bei jedem Patienten nahezu gleich behandelt wird, bleibt nur ein kleiner Spielraum für individuelles Vorgehen. Natürlich unterliegt es der Sorgfaltspflicht eines jeden Arztes, die jeweiligen Umstände des einzelnen Patienten auf seine Therapietauglichkeit zu überprüfen oder die vorgeschriebenen Therapie abzuwandeln. Aber die grundsätzliche Strategie bleibt die Behandlung der Diagnose. Drei verschiedene Diagnosen beim gleichen Patienten erfordern somit auch drei verschiedene Therapien.

In der Homöopathie ist Krankheit eine Schwächung der Lebenskraft.
Wird die Lebenskraft (iM Chinesichen "Chi" genannt) geschwächt durch krankheitserregende Einflüsse, besteht ihre einzige Möglichkeit, sich uns mitzuteilen darin, Symptome zu produzieren. Diese Symptome sind aber nicht die Krankheit selbst, sondern die Zeichen der Krankheit, eines Kampfes, den der Abwehrmechanismus gegen die krankheitserregenden Einflüsse führt. In diesem Sinne sind die drei verschiedenen schulmedizinischen Diagnosen nicht drei Krankheiten, sondern die Symptom-Gesamtheit einer einzigen Krankheit, nämlich der geschwächten einen Lebenskraft. 

In der Homöopathie werden aus drei Krankheiten Eine:
Schauen wir uns einen Patienten mit drei schulmedizinischen Diagnosen an:
Er leidet an einer Migräne, einer Angina pectoris und einer chronischen Verstopfung. Wir suchen in der homöopathischen Erstanamnese die Beschwerden aller drei Erkrankungsschwerpunkte und vereinen sie zu einem Gesamtbild aller Symptome. Dabei achten wir besonders auf sehr merkwürdig anmutende Symptome. Unser Patient äußert z. B. eine isolierte Angst vor spitzen Gegenständen, ein Gemütssymptom, das den Schulmediziner in diesem Zusammenhang nicht interessiert. Er berichtet weiterhin, dass es sich bei jedem Migräneanfall anfühlt, als würden die Augen aus dem Kopf gepresst, als sei der Kopf zu groß, die Schmerzen stechen wie Strahlen ins Auge und in die Zähne. Seine Herzschmerzen bezeichnet er als stechend in Arme und Schultern ziehend, er könne seinen Herzschlag deutlich hören, beim Bücken sei alles schlimmer. Er leide unter Darmkoliken mit reichlich Kollern im Bauch, er sei schon einmal beim Versuch, seinen Darm zu entleeren, in Ohnmacht gefallen. Auffällig sei noch, dass es ihn nur am Enddarm und an der Nase jucke. Seine Frau hätte ihm übrigens seit einiger Zeit einen Mundgeruch vorgeworfen.
Tragen wir all diese Auffälligkeiten zusammen, so stellen wir fest, dass die unabhängig erscheinenden Symptome zusammen genommen die uns bekannten Prüfungssymptome einer Pflanze namens Spigelia, das Wurmkraut, wiedergeben.
Für die drei verschiedenen Diagnosen braucht der Patient eine einzige Arznei. Von Spigelia wissen wir, dass es außerdem einen Bezug zu Würmern hat. Bei unserem Patienten können wir den Verdacht bekommen, dass der Juckreiz, den er an After und Nase hat, in diesem Zusammenhang steht. Möglicherweise war seine Lebenskraft dahingehend geschwächt, dass er den idealen Nährboden für Würmer geboten hat, ohne dass er das mitbekommen hat. Das erklärt möglicherweise seine Darmsymptomatik.
Spigelia als passende homöopathische Arznei hat seine Lebenskraft gestärkt und dazu angeregt, das Terrain seines Organismus zu verbessern, so dass alle seine Symptome verschwinden, weil sie nicht mehr als Warnleuchten benötigt werden. Im Verlauf der Genesung werden die Würmer in großer Menge ausgeschieden, weil ihnen die Lebensgrundlage entzogen wurde. Das Terrain ist einfach gesünder geworden und für die Würmer damit nicht mehr attraktiv.
Wir können an diesem Beispiel auch erklären, warum Homöopathie statt Antibiotika oder ähnlichen Substanzen wirkt: Das Antibiotikum tötet das Bakterium, die Schwäche des Organismus bleibt, die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls bleibt. Die Homöopathie hingegen reinigt das Terrain, so dass die Bakterien nachhaltig verschwinden, weil es ihnen „zu gesund“ geworden ist.

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